Ein Jahrhundert Vereinstradition


Im Jahre 1860 hatte Roßlau nur 1.800 Einwohner. Mit der Industrialisierung erfuhr die Stadt dann einen enormen Aufschwung. Die Bevölkerung stieg bis auf 17.000 im Jahr 1890!

Bienenwirtschaft wurde zu dieser Zeit als Korbimkerei verstreut in den Dörfern betrieben. Der Bevölkerungszuwachs brachte auch etliche Bienenzüchter in die Stadt, die bald zur Entwicklung ihrer gemeinsamen Interessen den Zusammenschluss anstrebten:

Am 29.01.1911 findet in der Gaststätte „Am Weinberg“ die Gründungsversammlung statt. 
14 Imker sind daran beteiligt und wählen einen provisorischen Vorstand.


Gründungsurkunde:

Oktober 1911: Es folgt die erste Hauptversammlung mit offizieller Wahl eines Vorstandes. Wilhelm Frenkler wird der erste Vorsitzende von jetzt 18 Imkern mit 121 Bienenvölkern

Oktober 1914: Unterbrechung der Vereinsarbeit wegen des „ausgebrochenen Krieges“.

Ab 1917: jährlicher Zuwachs von 3 –5 neuen Mitgliedern, 1923: 42 Mitglieder mit 392 Völkern.

1917/1918 - Kreuzberg bei Wörpen, Bienenstand in der Heidetracht:

1923: der Vorsitzende (Postbeamter) wird nach Raghun versetzt. Lehrer Schwarzbach wird neuer Vorsitzender, Frenkler in Anerkennung seiner Verdienste Ehrenvorsitzender.

Schwierige Nachkriegszeit: Mitgliederzuwachs erfolgt, allerdings oft um sich ein Zubrot zu erwirtschaften – der Verein rückt in den Hintergrund.


1925: Der Verein steht kurz vor der Auflösung, Übernahme des Vorsitzes durch das Gründungsmitglied Friedrich Gummel.

1930: Gummel verzieht, Schwarzbach wird wieder Vorsitzender.

1931: 20-jähriges Jubiläum (Ehrengäste Frenkler und Gummel), jetzt nur noch 22 Imker

1933: Vorstand tritt wegen finanzieller Differenzen zurück. Schriftführer Otto Franke wird zum Vorsitzenden gewählt und organisiert in den Folgejahren eine zielstrebige Vereinsarbeit.


1934: erstmals die Anwanderung von Trachten dokumentiert, Aufbau eines vereinseigenen Gemeinschaftswanderwagens, Zuchtarbeit mit der Italienerbiene.

1937: 500 Bienenvölker und ein Ertrag von 12kg/ Volk




Gemeinschafts-
wanderwagen:

Mit dem 2. Weltkrieg beginnt eine schwierige Zeit. Imker werden eingezogen und können die Bienen nicht betreuen

1940: „Katastrophenjahr“: nasses, kaltes Wetter – kein Honigertrag, die Bienen müssen gefüttert werden. Das wiederholt sich ähnlich 1943. 

Schwere Nachkriegszeit: 1945 gibt es noch 120 Bienenvölker. Der Wanderwagen mitsamt 40 Völkern ist abgebrannt. Völker verhungern, Zuchtarbeit ist unterbrochen – die Bienen verbastardisieren

1945: Wahl eines neuen Vorstandes, Vorsitzender Otto Will.

1947: trotzdem bereits wieder 46 Imker 

1948: Vorsitzender Will legte sein Amt wegen Überlastung nieder, der frühere Vorsitzende Franke wird wieder gewählt

1949: 52 Mitglieder, Imker werden Sparte des Verband der Kleingärtner, Siedler und Kleintierzüchter. (VKSK)

Bienenstand:


Wieder Bemühungen um gelenkte Zucht, jetzt mit der Carnica-Biene/ Linie Alba

1957: Einrichtung einer Belegstelle am Spitzberg

1961: 50. Gründungsjubiläum: 57 Mitglieder mit 600 Völkern und 10 Wanderwagen

1964: verstirbt Otto Franke - Günther Schuckert wird Vorsitzender

In der Landwirtschaft setzt sich die Großflächenwirtschaft durch: die LPGen des Kreises Roßlau betreiben Saatgutvermehrung für den RGW, - die Bienen werden zur Bestäubung gebraucht – gute Honigerträge und Bestäubungsprämien!

Wanderwagen:

Die Sparte betreut einen Schulbienenstand (Günther Schuckert) am Elbzollhaus, später eine weitere Jugendgruppe (Wolfgang Klinger), beides bis 1990. 

1975: wird Kurt Zernick zum Vorsitzenden gewählt. 

1977: wird Walter Reichelt Vorsitzender. Neuer Anlauf zur züchterischen Verbesserung des Bienenbestandes: 

1983: Belegstelle in Luko mit der Carnica-Linie Born: die reinrassigen Bienen erweisen sich als sanftmütig und leistungsfähig, Honigertrag steigt auf ca. 30kg/ Volk
Die Varroamilbe aus Südostasien kommt durch Bienenimporte nach Europa und vernichtet reihenweise ganze Bienenstände, 1988 auch bei den Roßlauer Imkern erste Völkerverluste. 

1990: der VKSK und seine Sparten werden aufgelöst, Roßlauer Imker bilden den „Imkerverein Roßlau und Umgebung 1911 e.V.“ und wählen Reiner Schulze zum Vorsitzenden. Der Verein hat jetzt 37 Imker mit 600 Völkern, 1993 nur noch 23 Imker mit 208 Völkern Durch Reprivatisierung der Landwirtschaft Wegfall der großen Saatgutschläge, aber wieder Rapsanbau rund um Roßlau.

1995: wird Wolfgang Klinger Vorsitzender, 1999 wieder Walter Reichelt.

Wanderwagen im Raps:


2005: ist die schleichende Auflösung des Vereins zu befürchten: nur noch 20 Mitglieder mit 180 Völkern, seit Jahren kein Zuwachs mehr und fortschreitende Überalterung
Reiner Schulze wird wieder zum Vorsitzenden gewählt und es werden Maßnahmen zur Stabilisierung des Vereins beschlossen: jeder will nach seinen Möglichkeiten beitragen, Bienen, Imkerei und Verein wirksamer öffentlich darzustellen, um so Interesse zu wecken.
Wegen der Überalterung lastet die hauptsächliche Arbeit auf nur wenigen Mitgliedern: 

Ab 2005: Einrichtung eines Schaufensters in der Dessauer Straße und Veröffentlichung von Pressemitteilungen durch den Schriftführer.

Schaufenster:

2008/2009: Aufbau und Eröffnung des „Roßlauer Bienenlehrgarten“ durch den Schriftführer Josef Plicka auf seinem Stand.  Nach dessen Ableben im Jahr 2010 wurde der „Roßlauer Bienenlehrgarten“ geschlossen.

Bienenlehrstand:

Erster Kurs „Probe-Imkern“: von den 21 Absolventen treten 7 dem Roßlauer Verein bei, die anderen stärken zahlenmäßig und als Verjüngung umliegende Vereine – ein Durchbruch: der Verein stabilisiert sich und hat nun 30 Mitglieder!

Ab dem Jahr 2011 wird die Neuimkerausbildung von Frau Uta Rauch mit ihrem Team, Herrn Wolfgang Lübeck, Herrn Rüdiger Gärtner u.a. erfolgreich fortgeführt.

Kurs Probe-Imkern:

2008: Bildung einer Züchtergruppe durch den 2. Vorsitzenden und Zuchtobmann des Landesverbandes Ekkehardt Hermann: angestrebt ist die Zucht und Verbreitung einer sanftmütigen, leistungsstarken und widerstandsfähigen Carnica-Biene aufbauend auf den bundesweit neusten züchterischen Ergebnissen 

2009: die Toleranzbelegstelle Hundeluft im Naturpark Fläming wird unter Regie des 2. Vorsitzenden mit Drohnenvölkern aus Spitzenzuchten aufgebaut und bewährt sich im Probedurchlauf – offizielle Eröffnung zur Saison 2010

2010: Die Belegstelle 14/2 Hundeluft in Naturpark Fläming wird eröffnet.

2011: Erfolgreiche Fortführung der Arbeit auf der Belegstelle 14/2

Die Imker arbeiten aber nicht nur

Der Tag des Imkers und die gemeinsame Jahresabschluss-/ Weihnachtsfeier mit Partnern sind jährliche Tradition, fördern Geselligkeit und Zusammenhalt.

An diesen selbst gestellten Aufgaben ist ein reges und konstruktives Vereinsleben gewachsen und der Verein hat sich zu einer treibenden Kraft entwickelt.